Wenn von "künstlerischer" Schwarz-weiß-Photographie die Rede ist, mag mancher zunächst an die hohe Kunst der sogenannten Fine-Art-Photographie denken, im Rahmen derer zumeist Landschaften, Stillleben oder Akte mittels Zonensystem á la Ansel Adams, in Bezug auf Grauwerte und Tiefenschärfe als technisch perfekte Fotografien erstellt werden
Mein persönliches Interesse gilt jedoch vor allem dem dokumentarisch-humanistischen Stil der klassischen Photoreportage vom Anfang der 30ger Jahre bis zu deren Höhepunkt in den Fünfziger Jahren, der untrennbar mit Namen wie Henri Cartier Bresson, Robert Capa, David Chim Seymor oder Werner Bischof verknüpft ist. Mit einfachsten Mitteln entstanden damals intensive und kraftvollste Photographien die auch bei heutiger Betrachtung in diesem Sinne zeitlos erscheinen. Statt technischer Perfektion ist es oftmals schlicht das Erfassen des richtigen Augenblicks eines Geschehens sowie eine intuitive Bildkomposition, die jene Intensität und Authentizität erzeugt.
Im Vodergrund steht daher für mich die spontane Bildkomposition, die sich aus dem Moment heraus durch eine zufällige aber perfekte Anordnung der Bildelemente ergibt und stets als Vollformat - so wie es im entscheidenden Augenblick* durch den Kamerasucher von mir gesehen wurde - vergrößert wird.
Dabei bin ich in allen Fällen ein kompromissloser Anhänger der Availible-Light Photographie, die es sich zum Ziel setzt, auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen, ohne Blitz, nur mit dem jeweils vorhandenen Licht auszukommen und somit die jeweilige Stimmung der Szenerie hervorzuheben und zu unterstreichen.
Diese Art der klassischen und spontanen, puristischen
Photographie,
stellt in erster Linie die ideale gestalterische
Ausdrucksform
für mich dar – nicht mehr, und nicht weniger.
* Siehe auch Cartier-Bressons Aufsatz «L'Instant décisif» (Der entscheidende Augenblick), der seinen Bildband «Images à la sauvette» (Bilder im Vorübergehen) einleitet. Das Werk ist 1952 mit einem Einband von Henri Matisse erschienen.